Rohstoff Holz
Wirtschaftsgut mit Vergangenheit und Zukunft
Steigende Öl- und Gaspreise lassen viele Hausbesitzer vom warmen Kaminfeuer träumen. Sie hoffen, dass das Heizen mit Holz nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schont. Der Brennstoff der Vergangenheit ist wieder im Kommen, aber nicht nur zum Heizen. Holz ist seit jeher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
"Holz macht zwei Mal warm" lautet eine alte Holzfällerweisheit - und kostenbewusste Kaminbesitzer können tatsächlich schon im Wald ganz schön ins Schwitzen kommen. Als so genannte Selbstwerber zerkleinern sie bereitliegendes, vom Förster markiertes Holz in handliche Holzscheite. Die Nachfrage nach Brennholz sei in letzter Zeit stark gestiegen, berichten Förster: Höhere Öl- und Gaspreise sind die Ursache. Immer mehr Hausbesitzer kaufen sich Kaminöfen, heizen zusätzlich mit Holz oder stellen ganz auf Holz- oder Pellet-Beheizung um. Ein Raummeter Kaminholz kostet beim Förster zwischen 30 und 60 Euro. Wer sein Holz selbst schlägt, kommt günstiger weg: Selbstwerber, die im Wald Restholz sammeln oder vom Förster bestimmte Bäume selbst fällen, zahlen ab zehn Euro pro Raummeter. Ein Raummeter gutes Brennholz entspricht im Heizwert rund 200 Litern Heizöl, ist aber knapp die Hälfte billiger. Für 200 Liter Öl zahlt man derzeit rund 120 Euro, für den gleichen Heizwert durch Holz rund 60 Euro.
Beitrag zum Klima- und Umweltschutz
Aber nicht nur sparen kann man mit Kaminöfen. Heizen mit Holz gilt als umweltfreundlich. Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen wie Öl wird bei der Verbrennung von Holz lediglich so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie der Baum zuvor der Luft entzogen hat. Kritiker bemängeln allerdings den hohen Ausstoß von Feinstaub, besonders bei alten Öfen und offenen Kaminen. Die Frage, ob die Einsparung von Kohlendioxid wichtiger oder die Feinstaubbelastung zu hoch ist, ist nicht abschließend beantwortet. Die Umweltbilanz von Holz ist besonders bei einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung gut. Nachhaltigkeitsprinzip heißt: In den Wäldern wird - überwacht vom Förster - nur so viel Holz gefällt wie auch wieder nachwächst. Auch Umweltschützer unterstützen diesen Kreislauf und befürworten die nachhaltige Nutzung von Holz.
Der Baum als Wirtschaftsgut
Nach Angaben der Bundeswaldinventur verfügt Deutschland mit knapp 3,4 Milliarden Kubikmetern über die größten nutzbaren Holzvorräte in Europa. In Deutschland wachsen pro Jahr 60 Millionen Festmeter Holz nach, jährlich werden aber nur 40 Millionen Festmeter geschlagen. Die Bundesregierung will die Holzverwendung zum Heizen aber auch für andere Erzeugnisse bis zum Jahr 2014 um rund 20 Prozent steigern und hat deshalb im September 2004 eine "Charta für Holz" beschlossen. Rohstofflieferant, Luftfilter, Lebensraum und Erholungsgebiet - der Wald spielt nicht nur eine wichtige Rolle im Ökosystem, sondern ist auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Rund 160.000 Betriebe (ohne Zulieferer) gehören zur Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland, die einen jährlichen Umsatz von über 100 Milliarden Euro macht. Insgesamt arbeiten in diesem Bereich mehr als eine Million Beschäftigte. Zum Vergleich: In der Autoindustrie mit einem Umsatz von rund 200 Milliarden Euro arbeiten knapp 770.000 Arbeitnehmer. Der Deutsche Holzwirtschaftsrat beklagt, dass die wirtschaftliche Bedeutung und das Potenzial für Wachstum und Beschäftigung der Bereiche Forst und Holz unterschätzt werde. Holz wird nicht nur in der Baubranche verwendet, sondern auch in der Papier- und Spanplattenindustrie sowie im Möbelbau. Deutschland ist der größte Papierproduzent in Europa. Auch viele mittelständische Betriebe wie Sägewerke, Schreiner- und Tischlerhandwerk arbeiten mit Holz. Diese kleineren Firmen sind häufig in ländlichen Regionen angesiedelt und wichtig für die regionale Wirtschaftsstruktur.
Wirtschaften über Jahrzehnte
Der Herstellungsprozess von Holz erstreckt sich im Gegensatz zu anderen Wirtschaftszweigen über Jahrzehnte. Die "Charta für Holz" sieht neben der Steigerung der Produktion die ökologische Waldbewirtschaftung mit einer gut geplanten Aufforstung vor, die eine nachhaltige Nutzung des Waldes garantieren sollen. Statt Monokulturen sollen artenreiche und stabile Mischwälder mit regionaltypischen Bäumen aufgebaut werden. Ziel ist, dass der Wald in Zukunft weiter einen nachwachsenden Rohstoff liefert, das Klima sowie Lebensgebiete von Flora und Fauna schützt und ein Erholungsraum für Menschen bleibt. Stand: 20.03.2006 18:04 Uhr

Anna Grabenströer für tagesschau.de, 20.03.2006