Stuttgart
Naturschützer warnen vor Raubbau an Wäldern
Vor einem zu starken Holzeinschlag in den Wäldern von Baden-Württemberg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gewarnt. Wenn mehr Holz geschlagen werde als nachwächst, sei auch die biologische Vielfalt bedroht.

Die Forstwirtschaft werde immer stärker auf Gewinn ausgerichtet und die Nachhaltigkeit als Grundsatz sträflich vernachlässigt, mahnte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. "Selbst Horst- und Höhlenbäume, in denen Vögel brüten und die durch das Naturschutzgesetz sowie die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt sind, werden rücksichtslos gefällt."
Auch der BUND-Forstexperte Gerhard Maluck kritisierte, die Reviere würden immer größer, die Förster könnten sich immer weniger um die Pflege des Waldes kümmern. Schlimm wirke sich auch der zunehmende Maschineneinsatz beim Holzfällen aus. Dabei werde auch im Unterschied zu früheren Jahren keine Rücksicht mehr auf unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten oder schutzwürdige Nistplätze von Vögeln in alten Bäumen genommen. "Es wird nur noch ans Geld gedacht".

Wälder unverzichtbar für Klimaschutz
Der seit einiger Zeit anhaltende Holzboom führe dazu, dass auch wertvolle alte Buchenbestände gefällt würden, die für die Artenvielfalt in den Wäldern dringend notwendig seien. Zudem seien die Wälder unverzichtbar als Klimaschützer, betonte die BUND-Landeschefin: "Die baden-württembergischen Wälder binden laut Umweltministerium 1.500 Millionen Tonnen Kohlenstoff und senken dadurch den CO2-Gehalt der Luft."

Rigorosen Holzabbau stoppen
Der BUND bekenne sich zu einer nachhaltigen, naturverträglichen Waldbewirtschaftung und zur Nutzung des umweltfreundlichen Rohstoffs Holz. Deshalb dürfe der rigorose Holzabbau so nicht fortgesetzt werden. Nach Ansicht von Dahlbender herrscht in den Wäldern von Baden-Württemberg "Goldgräberstimmung". Der Naturschutz bleibe dabei auf der Strecke. Die Grundsätze der nachhaltigen Holzernte müssten strenger beachtet und der Abbau des fachkundigen Personals gestoppt werden.

Nach Erkenntnissen der Waldforschung müssten natürliche Wälder mehr als doppelt so große Holzvorräte aufweisen, wie es derzeit in den deutschen Wäldern der Fall sei. Trotzdem setze die Holzindustrie nach Malucks Worten alles daran, die vorhandenen Vorräte schneller abzubauen, als es der Grundsatz der Nachhaltigkeit erlaube. So seien im vergangenen Jahr im Staatswald neun Kubikmeter Holz je Hektar Waldfläche eingeschlagen worden. Der nutzbare Zuwachs liege aber pro Jahr lediglich bei rund sieben Kubikmetern je Hektar.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) bestritt diese Zahl. Der Einschlag im Staatswald liege unter dem laufenden Zuwachs von mehr als zehn Kubikmetern. Er bezeichnete die Warnung vor einer Übernutzung der Wälder im Land als "völlig überzogen".

www.swr.de, 09.08.2007