Um den deutschen Wald ist es ruhig geworden. Vorbei sind die Zeiten, da die Hauptsorge der Nation dem Patienten Wald galt, da "Le Waldsterben" zur international bekannten Vokabel und zum Ausdruck deutscher Umweltliebe und - hysterie avancierte. Der Wald hat seine Schlagzeilenfähigkeit eingebüßt das ist gut so. Einerseits. Andererseits gibt es nach wie vor Anlass zur Sorge. Und auch das Waldsterben gibt es noch, es kommt nur im neuen Gewand daher und heißt heute Waldschaden. Trauriger Tiefpunkt der Entwicklung ist die Buchwaldbewirtschaftung in Mecklenburg-Vorpommern. Großschirmschläge wie aus dem 19. Jahrhundert zerstören auf zusammenhängenden Flächen von mehreren Dutzend Hektar die letzten baltischen Buchenwälder Nordostdeutschlands mit ihren Vorkommen an Schreiadlern und Zwergschnäppern. Der Hinweis des Forstministeriums, dass großräumig mehr Buchenholz nachwüchse als eingeschlagen würde, ist zynisch. Es wächst eben nur das Holz nach in jungen Stangenhölzern , aber nicht der reife Altwald. In Deutschland genießen die Förster ein hohes Ansehen nicht der Holzernte wegen, sondern weil sie vermeintlich den Wald schützen. Hoffentlich gerät das nicht in Vergessenheit.

Naturschutz heute, Magazin des NABU, Ausgabe 3/03