Der Wald hat aber auch noch eine sittliche und nationale Bedeutung. In unseren zahlreichen deutschen Walddörfern blüht das Volksleben noch im naturfrischen Glanze. Wie die See das Küstenvolk frisch erhält, so wirkt in gleicher Weise der Wald im Binnenlande. Der Waldbauer ist lustiger als der Feldbauer; er singt noch mit den Vögeln des Waldes um die Wette. Ein Dorf ohne Wald ist wie eine Stadt ohne geschichtliche Bauwerke, ohne Denkmale, ohne Kunstsammlungen, ohne Theater und Musik. Der Wald ist der Turnplatz der Jugend und die Festhalle der Alten. Wir müssen den Wald erhalten nicht bloß, damit uns der Ofen im Winter nicht kalt werde, sondern auch, damit die Pulse des Volkslebens warm und fröhlich weiter schlagen, damit Deutschland deutsch bleibe.

Lesebuch für die Sonntagsschulen der Pfalz, ca. 1910