Keiner war seitdem mehr beklommenen Herzens am Abgrund des Jungfrautals vorbeigefahren oder -gewandert, aber von der Schlucht wurde mit den Jahren nur um so mehr geredet, und ein jeder wußte von dem alten Wege. Westlich davon stiegen die Felsklippen wie schwarze Trolle gen Himmel, östlich stürzte der Abgrund ins Dunkel hinab. Droben in den Klippen schrien Eulen und andere unheimliche Wesen, und Steine, durch Frost und Sturzbäche gelockert, polterten die Halde hinunter.

Den Boden der Schlucht östlich des Weges konnte keines Menschen Blick erreichen. Bäume und Büsche verdeckten ihn, Blumen und Pflanzen wucherten herauf. Und aus dem Abgrund stiegen Tag und Nacht wunderliche Laute. Viele meinten, es sei ein Wasserlauf, der sich dort unten schlängele und unter den Schatten in der Tiefe riesele und gluckse - aber die Alten wußten es besser.

Trygve Gulbranssen: Und ewig singen die Wälder, 1933