Nun war es ganz Nacht, die Kinder faßte ein Grausen, sie sprangen mit kläglichem Geschrei, das eine dahin, das andere dorthin, über Felsen und Klüfte, und verlor eins das andere. Wohl viele Tage und Nächte irrte auch Goldener in dem dicken Wald umher, fand aber weder einen seiner Brüder, noch die Hütte seines Vaters, noch sonst die Spur eines Menschen, denn es war der Wald gar dicht verwachsen, ein Berg über den andern gestellt und eine Kluft unter die andere. Die Brombeeren, welche überall herumrankten, stillten seinen Hunger und Durst, sonst war er gar jämmerlich gestorben. Endlich am dritten Tage - andere sagen gar erst am sechsten oder siebenten Tage - wurde der Wald hell und immer heller, und da kam Goldener zuletzt hinaus auf eine schöne grüne Wiese.

Ludwig Bechstein: Goldener. Deutsches Märchenbuch 1857